Seit einigen Jahren fühlte ich mich umgeben von einem grauen Schleier aus Selbstzweifeln, mangelndem Selbstbewusstsein, Leistungsdruck und Entscheidungslosigkeit. Das Jahr 2017 war für mich ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Anfang des Jahres ging es mir erheblich besser, nachdem ich mit meiner Kinesiologin eine Liste mit Tätigkeiten ausarbeitete und umsetzte. Ich schöpfte Hoffnung und kämpfte mich, trotz Selbstzweifel, bis in den Herbst. Es ging mir wieder schlechter und ich erlebte mal wieder ein Tief, sumpfig, voller nagender Gedanken und Träumen vom Tod, sogar während Autofahrten kamen mir diese Gedanken in den Sinn. Dies war erschreckend aber zugleich wusste ich, dass ich nie wieder an diesen Punkt kommen möchte. Ich musste in dieser Zeit viel Weinen und habe es schließlich meiner Mutter gestanden. Zusammen mit meinem Drang nach einer neuen Unterstützung im Kampf gegen den grauen Schleier und die Chance die sich ergab, ging es langsam aufwärts. Als Mama bei einer firmeninternen Fortbildung den Coach Nazim Bayram kennenlernte, musste sie im Laufe des Tages abermals an mich denken und sprach ihn schließlich darauf an, ob er mich coachen würde. Er bejahte dies und Tage später trafen Nazim und Ich uns bei einer Bäckerei nahe seines Wohnhauses und er machte sich einen ersten Eindruck von meinen Problemen. Wir waren uns auf anhieb sympathisch und es war ein sehr produktives Gespräch, indem er mir erklärte, was mich erwarten würde. Sein Aussehen und seine ruhige Art erinnerten mich sofort an den Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeschwar, dessen Reportagen ich gerne verfolge. Wir vereinbarten einen ersten Termin und ich fühlte mich direkt schon besser und erwartete den Termin sehnsuchtsvoll. In der ersten Stunde erarbeiteten wir ein Ziel, für das ich die sterilisierte Figur eines Samurais wählte und dessen Eigenschaften wie z.B. Ruhe, Selbstbewusstsein und Vertrauen anstrebte. Nazim offenbarte mir am Ende der ersten Sitzung die positive Veränderung, die ich nur von dem ersten Treffen ausstrahlte. Ich setzte mich mit dem Ziel auseinander und Nazim empfahl mir ein Seminar zum Thema elterliche Prägungen, das er in der Harburger Volkshochschule gab. Ich traf auf wesentlich ältere Seminarteilnehmer und am Ende war mir klar, in diesem Alter wollte ich nicht mehr auf Sinnsuche gehen, meine Prägungen analysieren und noch viel schlimmer, etwas in meinem Leben bereuen müssen. Dieses Seminar gab mir Auftrieb und wir versuchten gemeinsam Ordnung in meine Baustellen zu bringen. Dabei nutzten wir diverse kreative Formen der Darstellung und nahmen Stück für Stück jedes Hindernis in Angriff. Schnell begriff ich, dass der nagende Selbstzweifel nicht für sich stand, sondern als Symptom bei jedem Problem Anklang fand. So arbeiteten wir Kindheitsprägungen in Bezug auf Papa, Mama und meinen Großeltern auf. Fortan formulierten wir gemeinsam überschaubare Ziele, die ich bis zur nächsten Sitzung erledigen sollte. Themen wie ein Auslandsjahr in Spanien oder England, Joshua und meine eigene Meinung durchsetzen standen zu der Zeit an erster Stelle. Ich lernte mit der Zeit meinen Willen klarer zu formulieren und ihn auch gegenüber Freunden oder meiner Oma klar und deutlich durchzusetzen, was zwar zu Streit und Diskussion führte, mich aber näher zu mir selbst führte. Besonders das Thema Joshua, worüber ich oft nachdenken musste, konnte ich nach viel Arbeit in die Vergangenheit schieben. Dies hat mich mit Stolz erfüllt und ich konnte daraus meine Lehren ziehen, die ich später auch angewandt habe. Es näherte sich der erste April 2018 und mein Ziel des sterilisierten Samurais rückte näher. Ich erreichte mein Ziel und dachte, damit wäre jetzt alles erreicht. Doch wurde ich während meiner Abiturklausuren und der vergeigten mündlichen Prüfung eines besseren belehrt. Mir ging es wieder schlechter und ich ging abermals zu Nazim, wo wir die weiteren Schritte beredeten. Mit Bekanntgabe des bestandenen Abiturs ging es rapide bergauf. Ich hatte bis dahin viel erreicht. Unterstützung hatte ich jedoch nicht nur von Nazim selbst sondern auch durch Buchempfehlungen, einem chinesischen Forrest Gump und besonders durch eine alte Geschichte aus dem Zen. Diese besagt, dass einem alten Mönch eine Reihe an guten aber auch schlechten Ereignissen passierten, er jedoch stets dachte, wer weiß wozu das gut ist. Mit jener Geschichte arbeiteten wir weiter bis die Abstände zwischen den Terminen immer größer wurden. Diese Geschichte dient dazu, meine Entscheidungen und die Zukunft weniger zu hinterfragen und regelrecht chirurgisch auseinanderzunehmen. Die Zeit als Obstverkäufer bei Familie Brunckhorst half mir einiges von Nazims Ratschlägen umzusetzen, offener, selbstbewusster und vor allem authentischer zu werden. Als die Zeit des Abschiedes von Deutschland kam, wurde ich wieder etwas sentimentaler, bei dem mir Nazim ein weiteres Mal half. Selbst auf der Autobahn in Richtung England war er bei mir, wenn auch nur über Handy. Nazim erkundigte sich regelmäßig bei mir und ich konnte ihm einige Meilensteine in meiner Persönlichkeitsentwicklung schicken. Denn in England bin ich auf mich allein gestellt und kann viele gelernte Ratschläge bereits automatisch umsetzen, die vor meiner Reise noch und vorstellbar waren. Habe hier durch Nazim Bayram meine Höhenangst besiegt, bin offener, selbstbewusster, stärker und authentischer geworden. Hier lerne ich jeden Tag eine Menge über mich selbst, mich weiterzuentwickeln und stärker zu meiner eigenen Persönlichkeit zu stehen. Ich gehe nun meinen eigenen Weg, in meinem Tempo und mit Höhen und Tiefen, was sich sehr schön anfühlt. Tiefschlägen begegne ich nunmehr mit mehr Gelassenheit und innerem Frieden. Abschließen möchte ich mit dem folgenden Zitat: „ I am on the right track. Because the things stopp beeing simple“.(Bodo Schaefer)
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Datum: Okt 2018